Der Verdichtungsgrad in einem Satz
Der Verdichtungsgrad DPr setzt die auf der Baustelle gemessene Trockendichte ins Verhältnis zur Proctordichte, also der Dichte, die das Material im Laborversuch nach DIN 18127 bei optimalem Wassergehalt erreicht: DPr = ρd / ρPr × 100 %. Werte über 100 Prozent sind möglich und bei ungebundenen Tragschichten sogar gefordert, weil Walzen auf der Baustelle mehr Energie eintragen als der Standard-Proctorversuch.
Wie streng ist „mindestens“? Im Erdbau gelten die Werte als 10-%-Mindestquantil: Höchstens jeder zehnte Prüfwert eines Prüfloses darf darunter liegen. Bei Frostschutz- und Tragschichten gilt eine Einzelwertregel: Bei weniger als fünf Prüfwerten muss jeder Wert die Anforderung erfüllen, bei fünf und mehr darf ein Wert sie um höchstens 3 Prozentpunkte unterschreiten.
Untergrund und Unterbau
ZTV E-StB 17, Abschnitt 4.3.2
| Bereich | Bodengruppen | DPr | Luftporen na |
|---|---|---|---|
| Planum bis 1,0 m Tiefe bei Dämmen, bis 0,5 m bei Einschnitten | GW, GI, GE, SW, SI, SE, GU, GT, SU, ST | ≥ 100 % | – |
| 1,0 m unter Planum bis Dammsohle | GW, GI, GE, SW, SI, SE, GU, GT, SU, ST | ≥ 98 % | – |
| Planum bis Dammsohle, bei Einschnitten bis 0,5 m Tiefe | GU*, GT*, SU*, ST*, U, T, OU, OT | ≥ 97 % | ≤ 12 Vol.-% |
Bodengruppen nach DIN 18196: G = Kies, S = Sand, U = Schluff, T = Ton, O = organisch; W/I/E = weit, intermittierend, eng gestuft; Stern = hoher Feinkornanteil. Für wasserempfindliche gemischt- und feinkörnige Böden ohne Verfestigung oder qualifizierte Bodenverbesserung empfiehlt die ZTV E-StB, in der Leistungsbeschreibung 8 Vol.-% Luftporen festzulegen. Für OU und OT gelten die Werte nur nach gesonderter Eignungsprüfung.
Tragfähigkeit auf dem Planum
ZTV E-StB 17, Abschnitt 4.5.2
| Untergrund bzw. Unterbau | Ev2 | Evd |
|---|---|---|
| Allgemein (frostempfindlicher Boden) | ≥ 45 MN/m² | – |
| Nach qualifizierter Bodenverbesserung | ≥ 70 MN/m² | – |
| Grobkörnig GW, GI | ≥ 100 MN/m² | ≥ 50 MN/m² |
| Grobkörnig SW, SI | ≥ 80 MN/m² | ≥ 40 MN/m² |
Frostschutz- und Tragschichten ohne Bindemittel
ZTV SoB-StB 20, Abschnitte 2.2 bis 2.4
| Schicht | Bereich und Belastungsklasse | DPr |
|---|---|---|
| Schicht aus frostunempfindlichem Material | gesamte Schicht | ≥ 100 % |
| Frostschutzschicht | obere 0,2 m, Bk1,0 bis Bk100 | ≥ 103 % |
| obere 0,2 m, Bk0,3 sowie Geh- und Radwege | ≥ 100 % | |
| unterhalb der oberen 0,2 m | ≥ 100 % | |
| Kies- und Schottertragschicht | gesamte Schicht | ≥ 103 % |
In geschlossener Ortslage, wenn Schächte oder Ähnliches den Einbau behindern, darf die Leistungsbeschreibung für Frostschutz- und Tragschichten 100 % vorsehen; bei Tragschichten ebenso für Geh- und Radwege, die nicht regelmäßig überfahren werden.
Verformungsmodul auf der Frostschutzschicht
ZTV SoB-StB 20 und RStO 24, jeweils mit Ev2 ≥ 45 MN/m² auf dem Planum
| Verkehrsfläche | Ev2 | wenn die Tragschicht darüber nachverdichtet |
|---|---|---|
| Bk1,0 bis Bk100 | ≥ 120 MN/m² | ≥ 100 MN/m² möglich |
| Bk0,3 | ≥ 100 MN/m² | ≥ 80 MN/m² möglich |
| Geh- und Radwege | ≥ 100 MN/m² | 80 MN/m², wenn keine Fahrzeuge für Wartung und Unterhaltung darüberfahren |
Die RStO 24 hat den Wert für Geh- und Radwege von 80 auf 100 MN/m² angehoben; die ZTV SoB-StB 20 nennt noch 80 MN/m². Maßgeblich ist, was im Vertrag vereinbart ist. Auf Tragschichten ergeben sich die Ev2-Werte aus der Bauweise nach RStO.
Plattendruckversuch statt Dichtemessung
Wird der Verdichtungszustand ungebundener Schichten ersatzweise mit dem Plattendruckversuch beurteilt, gelten Höchstwerte für das Verhältnis Ev2/Ev1:
- ≤ 2,2, wenn DPr ≥ 103 % gefordert ist,
- ≤ 2,5, wenn weniger als 103 % gefordert sind,
- höhere Werte sind zulässig, wenn Ev1 mindestens 60 % des geforderten Ev2 erreicht.
Leitungsgräben und Verfüllungen
ZTV A-StB mit Verweis auf ZTV E-StB
| Zone | Anforderung |
|---|---|
| Leitungszone (Bettung und Abdeckung der Leitung) | DPr ≥ 97 % |
| Verfüllzone im Straßenkörper | wie Untergrund und Unterbau (Tabelle oben), je nach Boden und Tiefe |
| Oberbau über dem Graben | wie der angrenzende Oberbau: gleiche Schichten, gleiche Anforderungen |
Bei geringen Verfüllhöhen bis etwa 60 cm wird oft nur ein Nachweis auf dem Planum verlangt, zum Beispiel Ev2 ≥ 45 MN/m². Prüfumfang je Einbaulage und Grabenlänge nach ZTV A-StB.
Asphaltschichten
ZTV Asphalt-StB 07/13
| Schicht | Verdichtungsgrad |
|---|---|
| Asphalttragschicht | ≥ 98 % |
| Asphaltbinderschicht | ≥ 98 % |
| Asphaltdeckschicht aus Asphaltbeton (außer AC 5 D L) und aus Splittmastixasphalt | ≥ 98 % |
| Asphaltdeckschicht AC 5 D L, Asphalttragdeckschicht, Offenporiger Asphalt | ≥ 97 % |
| Asphalttragschicht auf Rad- und Gehwegen oder im Handeinbau, auf ungebundener Unterlage | ≥ 95 % |
| Gussasphalt | wird nicht verdichtet, keine Anforderung |
Für Deck- und Binderschichten gelten zusätzlich Höchstwerte für den Hohlraumgehalt, je nach Mischgutsorte. Ein unterschrittener Verdichtungsgrad führt nach den ZTV Asphalt-StB in der Regel zu Abzügen.
Beim Asphalt bezieht sich der Verdichtungsgrad auf die Raumdichte des Marshall-Probekörpers, nicht auf die Proctordichte.
Ev2 und Evd statt Dichtemessung
Die Dichte direkt zu messen ist aufwendig. Bei grobkörnigen Böden lässt die ZTV E-StB deshalb zu, den Verdichtungsgrad über Plattendruckversuche nachzuweisen. Richtwerte für die Zuordnung:
| Bodengruppen | für DPr ≥ 100 % | für DPr ≥ 98 % |
|---|---|---|
| GW, GI (statisch) | Ev2 ≥ 100 MN/m² | Ev2 ≥ 80 MN/m² |
| GE, SE, SW, SI (statisch) | Ev2 ≥ 80 MN/m² | Ev2 ≥ 70 MN/m² |
| GW, GI, GE, SW, SI, SE (dynamisch) | Evd ≥ 50 MN/m² | Evd ≥ 40 MN/m² |
Zusätzlich gilt beim statischen Versuch Ev2/Ev1 ≤ 2,3 für DPr ≥ 100 % und ≤ 2,5 für DPr ≥ 98 %; höhere Verhältniswerte sind zulässig, wenn Ev1 bereits 60 % des Ev2-Werts erreicht. Indirekte Prüfverfahren sind bei grobkörnigen und gemischtkörnigen Böden mit weniger als 15 % Feinkorn zulässig; bei GE und SE sind die Zuordnungen im Probefeld zu überprüfen. Den Plattendruckversuch können Sie mit dem Rechner nach DIN 18134 auswerten.
Prüfverfahren
- Direkt: Ausstechzylinder, Ersatzverfahren mit Sand oder Wasser, Densitometer, radiometrische Sonden – jeweils mit Proctorversuch des Materials als Bezug.
- Indirekt: statischer Plattendruckversuch (DIN 18134), dynamischer Plattendruckversuch mit dem leichten Fallgewichtsgerät, flächendeckende dynamische Verdichtungskontrolle (FDVK) mit Kalibrierung.
Häufige Fragen
Warum über 100 Prozent bei der Frostschutzschicht?
Der Proctorversuch ist ein genormter Laborwert, kein physikalisches Maximum. Moderne Walzen verdichten ungebundene Gesteinsgemische stärker als der Fallhammer im Labor. Deshalb verlangt die ZTV SoB-StB in der oberen Lage der Frostschutzschicht und in Tragschichten 103 Prozent.
Was gilt für Geh- und Radwege?
Grundsätzlich dieselben Regelwerke. Die obere Lage der Frostschutzschicht muss nur 100 Prozent DPr erreichen, auf der ungebundenen Schicht verlangt die RStO 24 einen Ev2 von 100 MN/m² (ohne Wartungsfahrzeuge 80 MN/m²); Asphalttragschichten auf ungebundener Unterlage müssen dort nur zu 95 Prozent verdichtet sein. Für Untergrund und Unterbau lassen viele Baulastträger in Einführungserlassen oder im Vertrag geringere Anforderungen zu.
Wer prüft?
Der Auftragnehmer im Rahmen der Eigenüberwachung, der Auftraggeber mit Kontrollprüfungen durch eine anerkannte Prüfstelle. Art und Umfang regeln die jeweiligen ZTV.
Stand: November 2026. Zusammenfassung zur Orientierung, ohne Gewähr. Maßgeblich sind der Bauvertrag und die dort vereinbarten Regelwerke in der eingeführten Fassung, einschließlich der Einführungserlasse der Länder.
Weitere Werkzeuge
Plattendruckversuch
Ev1, Ev2 und Ev2/Ev1 aus den Messwerten, mit Bewertung, Diagramm und Protokoll.
DIN 18134VOB/B-Abnahme
Abnahmefristen mit Werktagen und Feiertagen Ihres Bundeslandes, dazu Beginn der Mängelverjährung.
§ 12 VOB/B- Neu
Kosten der Straßensanierung
Kostenschätzung für Gemeindestraßen: Deckenerneuerung bis Vollausbau, mit Gehweg, Entwässerung und Beleuchtung.
Preisstand 2026 - Neu
Baustoffmengen
Asphalt, Schotter und Frostschutz: Volumen, Tonnen, Einbaugewicht je m² und Lkw-Ladungen.
m³ und t Schlussrechnung
Prüf- und Zahlungsfrist, Verzug mit Zinsen und der Vorbehalt nach der Schlusszahlung.
§ 16 VOB/BMängelverjährung
Verjährung je Mangel: Regelfrist, Verlängerung durch Rüge, neue Frist nach Mängelbeseitigung.
§ 13 VOB/B